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1 Juli 2014

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 Juli 1, 2014
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Von Kolibris, Pandas, Pinguinen und einer hilflosen Weltmacht namens Google.

 

Es war einmal ein Vögelchen, nicht irgendeines, nein. Ein Kolibri, den Google mit dem Namen „Hummingbird“ in die große weite Welt des WWW entsandt hatte. Das Hummingbird Update der weltweit dominierenden Suchmaschine ist noch gar nicht so lange her. Es war im Herbst 2013. Eine pfiffige Geste, die nach dem Beginn einer neuen Google-Ära aussah. Dem Start in eine Zukunft der intelligenten Semantisierung der Google-Suche im Kampf gegen die inflationäre und stupide SEO-Syntax.

 

Besser finden, was man sucht, pfiff es von den Dächern, sprich:

 

Ganze Sätze respektive Phrasen sollten bei Suchanfragen inhaltlich erkannt und bei den Suchergebnissen ganz oben aufblitzen im Mischmasch von Werbung und Boulevard.

“Wie groß ist Brad Pitt?” (informativ orientierte Suchanfrage). “Wo ist der nächste McDonald’s?”(transaktions-orientierte Suchanfrage). “Was ist die offizielle Webseite von Ferrari?” (navigatorisch-orientierte Suchanfrage). Google würde Suchanfragen in naher Zukunft – clever kategorisiert – angeblich schneller und genauer mit den relevantesten Suchwortanzeigen quittieren.

 

Gut gemacht, Google – bis dahin.

 

Google straft bekannterweise seit dem Jahr 2011 und mit der Geburt von Panda oder Pinguin Links ab – oder besser gesagt: Unerhört freche SEO-Strategien, die überwiegend aus leeren Worthülsen oder Werbespam bestehen und damit: den globalen Schwachsinn, der sich ungebremst wie eine Pandemie im WWW verbreitet.

 

Aber was zum Henker macht denn Google jetzt?

 

Genauer gesagt: seit dem 21. Mai 2014. Seit dem Go-Live seiner neuesten Suchmaschine mit Namen Panda 4.0.

Das Problem: Google hat sich für ein schwer zu berechnendes Gegengift entschieden: für eine Art radikale biologische Kriegsführung gegen den auf organischem SEO-Müll basierten Link-Spam. Diese Waffe scheint alles platt zu machen, was nach vielen Links riecht – egal wie nützlich diese auch sein mögen.

Sei es ein „Ratgeber“ wie die Bloggingplattform MetaFilter, auf der seit 1999 (!) 12.000 aktive Nutzer (!) allerlei Fragen beantworten (viele, viele nützliche Links inklusive, versteht sich). Sei es die Ratgeberseite ASK.com, Ebay oder der Norddeutsche Rundfunk. Allesamt Kategorien an Webseiten, die über viele Jahre hinweg zig Millionen an Kunden und Interessierten dauerhaft überzeugten. Allesamt hat Panda 4.0 nun im Ranking nach hinten durchgereicht.

 

Gefällt dir (nicht mehr)

 

Es scheint, als würde Google bis auf Weiteres einer großen Masse an Internet-Usern die Sicht auf die Klasse systematisch verbauen. Googles Suchroboter sind neuerdings so was von scharf auf Schlagzeilen Marke „Guckst du – krrass!“ Die Schlagzeilen auf „Heftig“ oder „Buzzfeed“ (24 Tiere, die Yoga machen“) scheinen anzukommen – und angekommen zu sein am Google-Gipfel, getreu dem Motto: Hauptsache empfohlen, geteilt, geliked.

Sollte Google diesen „krassen“ Kurs beibehalten, könnte das Internet bald vor einem Trümmerhaufen stehen. Schließlich bildet die Interkonnektivität seit eh und je die vielleicht wichtigste Säule des Internets. Inhaltlich substantielle Links zu hilfreichen, verlässlichen, gewachsenen Plattformen könnten dann auf die („letzten“) Plätze der Seiten 15,16,17 der Suchergebnisse verwiesen werden.

 

Mensch, Maschine! Das Dilemma der Suchroboter…

 

© Shevvers - bigstockphoto.de

© Shevvers – bigstockphoto.de – Mensch-Maschine? Die künstliche Intelligenz von Suchrobotern und die menschliche Urteilskraft trennen Welten.

… und damit für Google besteht in dem Spagat abzuwägen: das Liken, Teilen, Pinnen, Posten einerseits und die Substanz von verlinktem Content andererseits im Mix zu bewerten. Klar, wir liken, was uns gefällt – und darunter fallen eben auch kurzlebige Highlights in Form von aufregenden „Schnappschüssen“ aller Couleur. Nicht zuletzt lebt ja das Internet Marketing grundsätzlich stark von den Empfehlungen, denen man als potentieller Kunde sein vertrauen schenkt.

 

 Lasset uns hoffen

 

Womit können wir in naher Zukunft rechnen? Zum einen bleibt die Hoffnung, dass sich bei Google bald wieder etwas tut. Im Idealfall müssten Googles Suchroboter zu rastlos abwägenden und urteilenden Mensch-Maschinen werden. Ein steiniger Weg… Dann die Aussicht, dass der öffentliche Druck auf Google weiter wächst. Denn eigentlich kann es nicht sein, dass weltweit praktisch eine einzige Instanz darüber entscheidet, was im Web wichtig ist und was nicht – apropos: Warum wähnen wir uns eigentlich immer so sicher, dass Google die wirklich guten und für uns relevantesten Suchergebnisse ausgibt? Komisch, dass wir uns das so selten fragen während unserer tagtäglichen Hatz nach Informationen im Web…

 

Der Gigant gerät ins Wanken

 

So viel steht fest: Die launige Diva Google tappt offensichtlich im Dunkeln und wird auf Dauer nicht unantastbar kleiben. Es gibt leise Vorboten, die uns ahnen lassen, wie ein WWW ohne Suchmaschinen-Monopolisten in Zukunft aussehen könnte. Vielleicht sogar einen aktuellen Trend hin zu Plattformen, die „autonomen“ Netzwerke bilden. Darunter fallen z.B. die bis dato von uns allen so stiefmütterlich behandelten Webverzeichnisse, die etwa regionale Informationen im großen Stil – und mit großer Sorgfalt nach Branchen und Kategorien geordnet und ständig aktualisiert – zu einem übersichtlichen Ganzen bündeln.

Vielleicht wird es ja in naher Zukunft einen Siegeszug einer neuen Generation von Webkatalogen geben, die ganz im Gewand eines neuen alten Medienmix daherkommen: als Buch zum Anfassen und Durchblättern. Als eBook. Und mit reichlich Gesprächsstoff in den Sozialen Medien. Eben da, wo nicht Suchroboter regieren, sondern Menschen aus dem „realen, normalen Leben“, heißt es sinngemäß bei Businessnetz24.

 

Zur Feier des Tages einen Link

 

Soll ich diesen Artikel jetzt tatsächlich auch noch mit DIE WELT online verlinken, die einen äußerst interessanten Beitrag zu diesem Thema veröffentlicht hat? Eigentlich ist der Beitrag in der Welt sogar der Ausgangspunkt dieses Blog-Artikels. Das will gut überlegt sein, schließlich man will ja niemandem schaden. Andererseits gibt es da noch so etwas wie die Verpflichtung, auf Quellen zu verweisen.

Geschenkt, denn was viel wichtiger ist: Ich werde verlinken, weil hochqualitativer Content im Internet einfach Vorrang hat – genau wie der Mensch als Leser im krassen Gegensatz zum Roboter als Scanner.

 

Voilà:

 

“Macht Google getzt das Internet kaputt?” (DIE WELT online, 24.05.2014)

 

 

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