Haben Sie Fragen? Schreiben Sie uns!

postmaster@profitexter.net

3 Januar 2014

Kommentare

6
 Januar 3, 2014
 6

In der Zeitung, der Werbung, bei Horoskopen, Urlaubsangeboten, Festreden, Interviews, Mailings, Produktbeschreibungen, Landeseiten, in Newslettern auf Verkaufsseiten und Blogs liest man allgemeingültige Aussagen.

Wir sind geneigt, allgemeine Aussagen eher zu akzeptieren und als „zutreffend“ zu empfinden, als spezifische und konkrete Informationen. Denn wir sind die Summe unserer Sinneseindrücke, die wir im Laufe unseres Lebens aufgenommen haben.

Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Welt. Er sieht sie durch seine Brille. Er hat seine eigenen Werte und Glaubenssätze. Und jeder von uns nimmt Informationen anders auf und reagiert entsprechend. Jeder hat seine ganz eigenen Ansichten zu Themen & Dingen. Das Gehörte und Gesagte, jede Information verarbeiten und interpretieren wir anders.

Allerdings bei sehr allgemeinen Wörtern wie: Frieden, Liebe, Glück, Harmonie, Erfolg und Freundschaft, da sind wir uns alle ziemlich einig.

Wenn Sie in Ihren Texten eine allgemeine Sprache verwenden, desto zutreffender, wahrer, wichtiger und richtiger empfinden wir sie. Die allgemeingültigen Aussagen üben einen „Sog“ auf den Leser aus.

Dieser Effekt wird Barnum-Effekt genannt. Er wurde nach dem amerikanischen Zirkuspionier Phineas Tayler Barnum benannt. Und er lieferte „ein wenig für jeden Geschmack“.

Der Barnum-Effekt setzt bewusst auf eine einfache Sprache mit Vieldeutig- und Allgemeingültigkeit. Diese werden von den meisten Menschen als „richtig“, „angenehm“ oder „zutreffend“ empfunden. Je allgemeiner dabei die Wörter oder Aussagen sind, desto wirksamer.

Dazu ein Experiment, das von dem amerikanischen Psychologen Bertram R. Forer (1914-2000) im Jahr 1948 durchgeführt wurde und unter dem Begriff Forer-Effekt bekannt ist. Es geht darum, den Beweis anzutreten, dass die meisten Menschen allgemeine Aussagen für sich persönlich als richtig interpretieren. Sogar dann, wenn sie es nicht sind. Insbesondere, wenn wir Menschen glauben, dass etwas speziell für uns geschrieben wurde, dann neigen wir dazu, diese als hochgenau zu bewerten.

Forer machte einen Persönlichkeitstest mit einer Gruppe von Studenten:

„Sie brauchen die Zuneigung und Bewunderung anderer, dabei neigen Sie zu Selbstkritik. Zwar hat Ihre Persönlichkeit einige Schwächen, doch können Sie diese im Allgemeinen ausgleichen. Sie haben beträchtliche Fähigkeiten, die brachliegen, statt dass Sie sie zu Ihrem Vorteil nutzen. Äußerlich diszipliniert und kontrolliert, fühlen Sie sich innerlich ängstlich und unsicher. Mitunter zweifeln Sie ernstlich an der Richtigkeit Ihres Tuns und Ihrer Entscheidungen. Sie bevorzugen ein gewisses Maß an Abwechslung und Veränderung, und Sie sind unzufrieden, wenn Sie von Verboten und Beschränkungen eingeengt werden. Sie sind stolz auf Ihr unabhängiges Denken
und nehmen anderer Leute Aussagen nicht unbewiesen hin. Doch erachten Sie es als unklug, sich anderen zu freimütig zu öffnen. Manchmal verhalten Sie sich extrovertiert, leutselig und aufgeschlossen, manchmal auch introvertiert, skeptisch und zurückhaltend. Ihre Wünsche scheinen mitunter eher unrealistisch.“
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Barnum-Effekt)

Im Anschluss gab er ihnen vorgeblich die Auswertungen und forderte sie auf, den Wahrheitsgehalt von 0 (= trifft gar nicht zu) bis 5 (= trifft sehr gut zu) zu beziffern.

Das Ergebnis: Die Studenten bewerteten den Wahrheitsgehalt der Auswertung mit durchschnittlich 4,26 Punkten! Und 85,2% stimmten den Aussagen des Textes zu.

Sie wussten nicht, dass alle den exakt gleichen Text zum Auswerten bekommen hatten. Übrigens hatte Forer den Text aus einem am Kiosk erhältlichen Horoskop zusammengestellt. Seitdem wurde dieser Test mit dem gleichen Text vielfach wiederholt und das Durchschnittsergebnis lag immer um den Wert 4.

Viele Menschen glauben an die Aussagen, weil Sie denken, sie treffen auf sie zu und seien ziemlich genau. Dazu ein weiteres Experiment von 1979. Der französische Statistiker Michel Gauquelin gab 150 Personen ein Horoskop zu lesen. Und wollte wissen, wie genau dieses ihren Charakter beschreibt. 94% der Befragten bewerteten das Horoskop als genau.

Doch das Horoskop war ein Fake. Denn die 150 Menschen hatten das Horoskop von einem Serienmörder namens Marcel Petiot bekommen. So einfach täuschen wir uns, ziehen Trugschlüsse aus allgemeinen Aussagen und stimmen ihnen zu.

Fazit: Arbeiten Sie in Ihrem Blog mit allgemeingültigen „Wahrheiten“. Das heißt auch, je präziser Sie etwas darstellen, desto wahrscheinlicher ist es, dass es abgelehnt, verneint oder in Frage gestellt wird.

Allgemeine Aussagen führen zu Zustimmung, Zuneigung und Sympathie. Nutzen Sie den Barnum-Effekt in Ihrem Blog und er bleibt lesenswert.

In diesem Sinne
Bernfried Opala
Gründer:
Deutsche Verkaufstexter-Akademie

Bestseller-Autor:
“Die 32-Punkte-Checkliste für Profi-Verkaufstexte”
“Telemarketing-Leitfaden”

6
Hinterlassen Sie einen Kommentar

5 Kommentarthemen
1 Themenantworten
0 Followers
 
Kommentar mit den meisten Reaktionen
Beliebtestes Kommentarthema
  Abonnieren  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Bernfried

So funktionieren wir nun mal.
Nehmen wir wie es ist.
Den Effekt gibt es schon ewig. Was wäre sonst aus Geschichten geworden die tausende von Jahren überdauert haben?
Insofern ticken wir tatsächlich noch genauso wie in der Steinzeit. Ist ja auch nichts Neues. Im Grunde ist es egal wie dieser Effekt heißt. Damit Blogs lange aktuell bleiben, sollte man den Barnum-Effekt nutzen, wobei die Qualität der Artikel durchaus hochwertig sein kann.

Petra Stöhr

Amen! Wir haben uns seit der Steinzeit nur einen Wiimpernschlag verändert, siehe Ernährungsverhalten tickt immer noch als Jäger und Schwerarbeiter, dabei sind wir Couch(Coach…haha)- potatoes, Schreibtischwürger und Nichtbeweger geworden…. allen aktuell gesundheitsbewussten Ermahnungen zum Trotz. Ebenso zeigt es unser Sex-Verhalten….wieder oder immer noch Jäger und Häschen auf dem Baum….also, die Instinkte funktionieren noch prächtig. Und da kommt der Wischi-Waschi-Barnum-Effekt gerade recht, nicht vorpreschen, wer mit den Wölfen heult….mainstream ist heute gefragt, Individualismus und Unbequemes, perfekt Recherchiertes und auf den Punkt gebrachtes und daher oft unbequem – weil da oft der Finger in die Wunde gelegt wird – das Allgemeingültige wird… Weiter lesen »

Bernfried

Ja, kann ich bestätigen. So hat halt alles zwei Seiten…

Habe gestern noch in einer FB-Gruppe folgendes gepostet, weil jemand etwas von Manipulation geschrieben hat: Das Interessante an dem Barnum-Effekt ist, dass wir von Natur aus seit ewigen Zeiten auf diesen Effekt reagieren… Die Reden großer Staatsmänner und Heerführer, berühmte Autoren und viele andere nutzten den Barnum-Effekt. Ihre Reden und Schriften überdauerten viele Jahrhunderte und sie wurden unsterblich. Und so ist es heute und morgen und es wird immer so sein.

Henning Klocke

Das sind aussagen, denen ich mich zu 94% anschließen kann. :) Nein, im Ernst, hochinteressant dieser Effekt.
Natürlich finde ich mich in dem “Persönlichkeits-Test” auch direkt wieder. Irgendwie ticken wohl alle Menschen ähnlich!
Trotzdem möchte ich nicht nur danach gucken … das hieße für mich, dass ich überhaupt nicht mehr in die Tiefe gehen darf … und das passt mir gar nicht. :)

Ulrike Pfarre

Spannend! Guter Tipp gerade für Texte, wenn die Zielgruppe mal nicht ganz so genau absteckbar ist.

Es weiß auch kaum jemand, dass Tageshoroskope in Zeitungen tatsächlich oft von Werbetextern fabriziert werden. Deshalb passen die oft auf jeden. Macht es professionellen Astrologen schwer, ihre Glaubwürdigkeit zu beweisen.